Muhammad Yunus: „Grameen. Eine Bank für die Armen der Welt"
(Bergisch-Gladbach 1997)
Überblick: Der bengalische Wirtschafts-Professor Yunus, laut Klappentext „eine der großen Hoffnungen der Menschheit", erzählt hier den Werdegang seines Grameen-Projekts, das sich gegen eine Reihe von Widerständen langsam, aber sicher durchgesetzt hat.
Im Ausgang von Yunus` Erkenntnis, daß 42 Leuten mit Mikrokrediten in Höhe von insgesamt nur $27 der Schritt von der Pachtsklaverei zur Selbständigkeit ermöglicht werden kann, baute die Grameen Bank leistungsfähige, sehr stark vor Ort agierende Systeme der Mikrokreditvergabe auf.
Die Geschichte überzeugt durch konsequenten Willen zur Lernfähigkeit und zum Ergebnis – nachhaltige Bekämpfung der Armut und Verbesserung der Lebensbedingungen der Ärmsten in Form der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Ärmsten der Armen entwickeln durch das ihnen geschenkte Vertrauen und die finanziellen Möglichkeiten Disziplin und Eigeninitiative. Die Rückzahlungsquote liegt bei über 98%. Fünfergruppen, fast ausschließlich Frauen, garantieren einen sozialen Rückhalt für die Millionen entstehender Ich AG`s. Erklärtes Ziel ist es, im Jahre 2005 100 Millionen Familien erreicht zu haben und bis zum Jahre 2050 die weltweite Armut zu besiegen. - Grameen ist in erster Linie eine Privatbank zur Selbsthilfe, betreut inzwischen aber auch Projekte in den Bereichen Telekommunikation, Gesundheit, Fischzucht, Architektur und sogar Internet.
Die Grundvoraussetzung der meisten ökonomischen Theorien, daß eine starke Volkswirtschaft automatisch dem Wohle aller zugute komme, wird von Yunus stark in Frage gestellt. Eine Volkswirtschaft gleiche eben nicht einem Zug, dessen starke Lok auch die hinteren Wagen mitzieht; diese fallen stattdessen immer weiter zurück. Für Yunus hat jede gesellschaftliche Gruppe ihren eigenen Motor. Yunus verläßt seinen akademischen Elfenbeinturm, um die „Perspektive des Regenwurms" einzunehmen und pragmatische, wirksame Lösungsansätze vor Ort zu entwickeln. Yunus will also gewissermaßen den Motor der untersten Wirtschaftsgruppen in Gang bringen, die in der Theorie meistens nur als „Schattenwirtschaft" vorkommen, obwohl sie in vielen Ländern die Mehrheit der Bevölkerung darstellen.
„Kredit" heißt wörtlich Vertrauen. Das gängige Kreditsystem beruht jedoch vornehmlich auf Mißtrauen. Kredite an Reiche werden paradoxerweise auch dann bereitwillig vergeben, wenn die Rückzahlungsquote gering ist. Die Sicherheit eines bereits vorhandenen Vermögens wird höher bewertet als das Vertrauen in den Menschen, mit dem Kleinstkredit sinnvoll zu wirtschaften. Dabei können es sich die Armen es im Gegensatz zu den Reichen nicht leisten, nicht zurückzuzahlen – für sie liegt darin die einzige Chance, voranzukommen. Yunus: „Kleinkredite beziehen sich nicht auf das monetäre, sondern auf das menschliche Kapital".
Wie konnte eine erfolgreiche Bank von einem Nicht-Banker gegründet werden? Yunus: „Wir haben uns angesehen, wie die anderen Banken arbeiten, und dann genau das Gegenteil davon gemacht"
Je langsamer, desto besser! Trotz aller Rasanz des Wachstums war Grameen immer bemüht, einen Schritt nach dem anderen zu machen und organisch zu wachsen.
Eine Pariser Wohlfahrtsorganisation wurde von einem Armen gefragt, ob sie ihm Kredit für eine Pommes-Bude geben würden. Die Wohlfahrtsorganisation wollte daraufhin die Pommes-Bude selber kaufen und ihn dort einstellen. Yunus: „Nächstenliebe kann sich auch in ein Gefängnis verwandeln".
Grameen ist Wissenstransfer – und zwar von der Dritten Welt in die Erste!
Vorteile der Selbständigkeit gegenüber der Festanstellung:
Flexibilität bezüglich Arbeitszeit und Räumlichkeiten
Praktische Fertigkeiten zählen, über die auch Ungebildete und Arme verfügen
Finanzielle Abhängigkeit und Armut können überwunden werden
Die Durchschnittskosten zur Schaffung einer selbständigen Existenz betragen nur ein Bruchteil von den Kosten der Schaffung eines unselbständigen Arbeitsplatzes
Neues Selbstvertrauen und Perspektiven entstehen - auch für die Kinder
Grameens didaktische Grundidee ist es, auf bereits vorhandenen Fähigkeiten aufzubauen, anstatt neue vermitteln zu wollen. Yunus: „Man darf den Armen keine Ausbildung aufzwingen, nur weil man selbst davon überzeugt ist, sie hätten sie nötig. Viel produktiver ist es, eine Situation zu schaffen, die bei ihnen die Lust auf eine Ausbildung hervorruft".
Job&Joy: „Das menschliche Leben ist viel zu kostbar, als daß man es damit vergeudet, sich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, um dann sein ganzes Leben im Dienst eines Arbeitgebers zu stehen".
http://www.team-success.de/ord-neu/lit-tips/lit-yunu.htm
