Gedanken und Zitate zur systemischen Aufstellung und Beratung
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Aus einem Artikel über systemische Therapie: (raum+zeit 125/2003 S. 42)
In der systemischen Therapie werden Symptome und Seeleninhalte nicht in erster Linie einer Einzelperson zugerechnet "sondern als Ausdruck von Vorgängen im System betrachtet. So kann zum Beispiel ein Sohn immer wieder Unfug anstellen, damit sein Vater, der vielleicht ansonsten schwach gestellt ist, mit der Faust auf den Tisch hauen kann und so wieder seine Rolle als Familienoberhaupt einnimmt. Der Sohn wird zum Symptomträger, damit eine Struktur erhalten bleibt, die allen Beteiligten der Familie eine gewisse Sicherheit bietet." Durch therapeutische Ansätze z.B. der systemischen Therapie "können dann kreativere Wege des Zusammenlebens gefunden werden.
Ich sehe bei solchen Aussagen/Zitaten die "Gefahr", dass wenn man sich nicht mit den weiteren Zusammenhängen einer Aufstellung und der Systemik befasst, dass man sich schnell bestimmte Informationen herausgreift und diese als die "Wahrheit" vertritt und dafür kämpft.
So könnte nach so einer Aussage - aus dem Kontext gegriffen - zum Beispiel eine Frau zu ihrem Mann sagen wollen: (Ich überspitze bewußt extrem, um mich deutlich zu machen!) "Siehst Du, weil Du kein ordentliches, starkes klassisches Familienoberhaupt bist, ist unser Sohn krank. Damit er gesund wird, musst Du jetzt..." Manchmal steckt hinter solchen Aussagen unbewußt ein eigener Wunsch und andere Dinge sind eigentlich vorgeschoben.
Wichtig ist mir dann der Satz: "Dann können kreative Wege des Zusammenlebens gefunden werden". Ich verstehe das so, dass zunächst durch ein tief unbewußtes und archaisches Sippen-Kollektiv-Bewußtsein eine Systemstruktur entsteht, die sich an der Logik archaischer Prinzipien orientiert, weil wir eben im Kern unseres Wesens alle Entwicklungsstufen des Menschseins noch in uns tragen. Das bedeutet aber nicht, dass wir um Heilung zu erfahren nun diese Strukturen erfüllen oder ausfüllen müssen. Wir müssen uns ihre Existenz und Wirkung nur bewußt machen, um sie dann gegebenenfalls aufzulösen und durch kreative, der modernen Welt und der individuellen Situation angemessene Formen zu ersetzen!
In unserer modernen Welt braucht eine Familie zu ihrer Sicherheit keine archaischen Rollen mehr! Wieder etwas überspitzt ausgedrückt kann theoretisch die Mutter zum Karate-Training gehen, während der ruhige und besonnene Ehemann das Essen für die Familie kocht - und die Welt ist in bester Liebes-Ordnung!
Zumindest, wenn das auch den tatsächlichen individuellen Bedürfnissen entspricht. Blöderweise sind die oft in sich widersprüchlich

Dass kein einzelner Mensch alle Bedürfnisse eines anderen erfüllen kann und dass manchmal die Dinge, die einen bei einem Partner am Anfang besonders angezogen haben, später erst recht zum Kritikpunkt werden können, sind Beziehungsgeschichten, die aus Büchern über Mars und Venus und so weiter weitläufig bekannt sind

Dort ist der Rat, sich zu freuen, dass man sich so schön ergänzt, statt die Verschiedenheit des Anderen als Fehler zu empfinden.
"Nur was wir lieben (anerkennen, annehmen) gibt uns frei" (Auch aus dem Artikel von oben)
Ich finde, das liebevolle Anerkennen und Annehmen dessen, was hier und jetzt ist, ist die Basis, um dann weitere Schritte zu versuche, die Dinge im eigenen Sinne zu verbessern. Auf diese Weise kann man nie den Boden unter den Füßen verlieren, denn im schlimmsten Fall ist es eben so wie es ist und man hat bereits damit seinen Frieden gemacht. Im besten Fall schafft man sogar die gewünschte Veränderung und kann sich umso mehr freuen, denn das Glück und die Liebe hängt nicht von diesem selbst gesteckten Ziel ab und so wird das Erreichen des Ziels zum Geschenk oben drauf.
"Es ist, was es ist, sagt die Liebe" (Erich Fried)
Andreas